29. Oktober 2018

Bertelsmann Stiftung „Dringend gesucht: Berufsschullehrer“

BvLB fordert mehr Anstrengungen zur Deckung des Lehrkräftebedarfs

Die berufliche Bildung genießt einen ausgezeichneten Ruf und bietet einerseits den jungen Menschen eine gute Beschäftigungsperspektive und garantiert andererseits den Unternehmen die dringend benötigten Fachkräfte. An den beruflichen Schulen werden zurzeit rund 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler von rund 125.000 Lehrkräften unterrichtet. Doch schon seit einigen Jahren wird es schwerer, den Bedarf an beruflichen Lehrkräften zu decken.

„Insbesondere in der gewerblich-technischen Domäne fehlen grundständig qualifizierte Lehrkräfte mit der Folge, dass oft Seiteneinsteiger eingestellt wurden und werden. Diese werden „on the Job“ nachqualifiziert. Was ursprünglich als Notlösung gedacht war, ist heute in manchen Fachbereichen gängige Praxis“, so der Bundesvorsitzende Eugen Straubinger.

„Bundesweit ist nahezu die Hälfte aller beruflichen Lehrkräfte über 50 Jahre alt und das bedeutet, dass in den kommenden 15 Jahren rund 60.000 Lehrkräfte an beruflichen Schulen aus dem Dienst ausscheiden, während im gleichen Zeitraum nur rund 30.000 Lehramtsabsolventen für das berufliche Lehramt die Hochschulen verlassen. Diese Ergebnisse der Bertelsmann-Studie führen uns die brenzlige Situation vor Auge“, führt Bundesvorsitzender Joachim Maiß aus.

Beide Bundesvorsitzende plädieren vor dem Hintergrund des riesigen Lehrkräftebedarfs, bei der Gewinnung des Nachwuchses sowohl auf die grundständige Lehrerbildung als auch auf die Nachqualifikation von Quereinsteigern zu setzen: „Die erste, universitäre Phase der Lehrerausbildung beinhaltet schwerpunktmäßig die Wissenschaftsorientierung und die zweite Phase die theoriegeleitete Reflexion als didaktischen Ansatzpunkt.“

„Der Lehrkräftemangel spitzt sich absehbar zu, aber die Politik kann jetzt noch reagieren. Wir brauchen eine bundesweite Gesamtstrategie. Wir müssen mehr berufliche Lehrkräfte ausbilden. Wir müssen Abiturienten und hochqualifizierte Facharbeiter über die Arbeit in den beruflichen Schulen informieren und explizit für diesen Beruf werben. Die Studierendenzahlen müssen deutlich gesteigert werden und es müssen wieder mehr Studienstandorte für die Lehrämter an beruflichen Schulen geschaffen werden. Neben der Erhöhung der Absolventenzahlen können bekannte Maßnahmen wie die freiwillige Erhöhung der Wochenstunden durch Teilzeitkräfte oder Hinausschieben des Ruhestands umgesetzt werden.“

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Der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e.V. vertritt in Deutschland über 39.000 Lehrerinnen und Lehrer.