Tablet
20. November 2020

Acht-Punkte-Programm Europäische Berufsbildende Schulen nachhaltig stärken

Der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e. V. (BvLB) setzt sich seit Jahrzehnten gemeinsam mit nationalen und internationalen Gewerkschaften für bessere Rahmenbedingungen an deutschen und europäischen berufsbildenden Schulen ein.

An fast jeder Berufsbildenden Schule in Europa gibt es bereits Ansprechpartner*innen und Teams, um kooperativ Schüler*innen- und Lehrkräfteaustausch, interkulturelle Bildung und nachhaltigkeitsorientierte Berufsbildung zu organisieren. Um Lehrkräfte und Schulleitung zu entlasten, sollte allerdings der immer höher werdende Verwaltungsaufwand reduziert werden.

Die BvLB-Arbeitsgruppe Internationales und Berufliche Bildung Nachhaltige Entwicklung (BBNE) hat dazu ein Acht-Punkte-Programm beschlossen. Der BvLB begrüßt die bisherigen Initiativen der politisch Verantwortlichen in Europa, beim Bund und in den Bundesländern und zeigt konstruktiv weitere Verbesserungsmöglichkeiten auf, wie die europäischen Berufsbildenden Schulen nachhaltig gestärkt werden können:

  1. Auslandsaufenthalte, finanziert durch Erasmus Plus, das ENSA-Programm oder Ausbildung weltweit, Mercator Exchange, …, sind schon heute zum Teil integraler Bestandteil der Beruflichen Bildung und steigern die Attraktivität der Berufsausbildung und damit verbunden auch die Chancen Auszubildende zu finden. Der BvLB begrüßt, dass die Finanzmittel erhöht werden und rät dazu, diese, speziell die derzeit nicht auskömmlichen ENSA-Fördermittel (Aufbau und Pflege von Berufsschulpartnerschaften weltweit) in den nächsten Jahren auszuweiten.
  2. Die Nationale Agentur des Bundesinstituts für Berufsbildung NA-BIBB und andere nationale und europäische unterstützende Einrichtungen bieten schon jetzt eine gute Beratung, um Finanzmittelanträge erfolgreich stellen zu können. Wir begrüßen, dass die Antragstellung und die Projektrealisierung vereinfacht worden ist und noch weiter vereinfacht werden soll.
  3. Zur Entlastung von Lehrkräften und der Schulleitung sollten ergänzend in den europäischen Regionen professionelle Dienstleistungsagenturen (Regionale Netzwerkstellen) in Deutschland beim Projektmanagement unterstützen. Damit könnten bei den Berufsbildenden Schulen personelle und zeitliche Ressourcen bei der Beantragung, systematische Vorbereitung auf die gesellschaftspolitischen Verhältnisse im Zielland, Durchführung und Auswertung der Projekte sowie die Betreuung der Schülerinnen und Schüler und der Auszubildenden eingespart und diese für pädagogische Aufgaben verwendet werden. 
  4. Die vorhandenen Fortbildungsangebote unter anderem im Bereich des internationalen Projektmanagements sowie der europäischen und außereuropäischen Sprachen (z. B. chinesisch) und Fachsprachen sollten ausgeweitet und auskömmlich finanziert -Fortbildungsbudget der Berufsbildenden Schulen deutlich erhöht - werden. Dabei sollten auch digital unterstütztes Sprachenlernen – z. B. Babbel, und weitere Schulungsmöglichkeiten für das eigenverantwortliche Lernen integraler Bestandteil einer systematischen Weiterbildung des beruflichen Ausbilderpersonals, aber auch ein Bestandteil der Arbeitszeit, sein.
  5. Der BvLB befürwortet ausdrücklich, dass die im internationalen Kontext von Schüler*innen und des betrieblichen sowie berufsschulischen Ausbildungspersonals erworbenen Kompetenzen schon heute im Europass und ergänzend auf den Schüler*innen-Zeugnissen der Berufsbildenden Schulen ausgewiesen werden. Die Anerkennung dieser besonderen Leistungen sollte aber öffentlich noch besser kommuniziert werden. 
  6. Das BMBF-finanzierte Pilotprojekt „AusbildungWeltweit“ wurde verstetigt und finanziell gestärkt. Um eine noch höhere Teilnehmer*innenquote zu erreichen, sollten auch die Berufsbildenden Schulen oder/ und die einzurichtenden Regionalen Netzwerkstellen als Dienstleister der dualen Berufsausbildungspartner (Betriebe und Berufsschulen) antragsberechtigt sein und die Mobilitätsförderung der Berufsschullehrkräfte – kooperative Fort- und Weiterbildung des dualen Berufsausbildungspersonals - ermöglicht werden.
  7. Der BvLB unterstützt, dass die politisch Verantwortlichen allen Schülerinnen und Schülern unabhängig von Geschlecht, Aufenthaltsstatus, Bildungsstand, sozialem Hintergrund, Beeinträchtigung oder Behinderung die Teilnahme an internationalen Mobilitäts-Programmen ermöglicht.
  8. Europäische Exzellenzzentren beruflicher Aus-und Weiterbildung wurden am 22.05.2018 von der Europäischen Kommission als wesentliche Eckpfeiler des Europäischen Bildungsraums 2025 bezeichnet. Wir begrüßen daher, dass die Europäische Kommission europäische Berufsbildungsnetzwerke fördert, die es sich zur Aufgabe machen, das gewünschte Bild und die Anforderungen an regionale nachhaltigkeitsorientierte Exzellenzzentren beruflicher Aus-und Weiterbildung in Europa zu beschreiben. Universitäten, Hochschulen, Berufsbildende Schulen, Unternehmen, die Sozialpartner und weitere Kooperationspartner der Bildung/Beruflichen Bildung beraten derzeit gemeinsam, wie Innovation und Exzellenz in der europäischen Berufsbildung vorangebracht werden kann. Der BvLB fordert, dass die politisch Verantwortlichen spätestens bis zum Jahr 2025 einen Pakt für die europäische Berufsbildung, der eine verlässliche und exzellente europäische berufliche Bildung gewährleistet und zusätzlich ein EU-Innovations- und Entwicklungsfonds Berufliche Bildung Nachhaltige Entwicklung - BBNE -  (Dekaden-Investition 2020-2030) zur Finanzierung der Exzellenzentwicklung und zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele 2030 bereitgestellt wird. 

 

Der BvLB fordert daher eine Unterstützungsstruktur für die berufsbildenden Schulen die folgenden Elemente beinhaltet:

  • weitere Heranführung der Lehramtsanwärter an diese Berufsbildungsaufgabe als Aufgabe moderner berufsbildender Schulen in Europa in den Studienseminaren
  • zusätzliches Personal und Anrechnungsstunden, um die außerunterrichtlichen Verwaltungsarbeiten, wie die Antragsstellung, das Projektmanagement, die Budgetverwaltung sowie die Projektdokumentation und -evaluation professionell leisten zu können. Es braucht zusätzliche Werbemaßnahmen und mehr Förderangebote sowie zusätzliches Finanzbudget, um die Auszubildenden und ihre Ausbildungsbetriebe für eine Erasmus+-Mobilität ins Ausland zu begeistern.
  • Verbesserung der Rahmenbedingungen für ein digitalunterstütztes Lernen und die Kommunikation mit den internationalen Partnern. Länderübergreifende Videokonferenzen von Klassenraum zu Klassenraum müssen möglich sein, um den dringend erforderlichen verstärkten europäischen Dialog über die Berufsbildung und das gemeinsame Werteverständnis intensivieren zu können.
  • Sicherstellung notwendiger digitaler Infrastrukturen, der sächlichen Ausstattungen in den beruflichen Schulen, u.a. mit Unterbringungsmöglichkeiten für Auszubildende sowie eine themenbezogene Lehrkräfteaus- und Weiterbildung.
  • Mehr Koordinierungszeit für den Aufbau und die Pflege von internationalen Schulnetzwerken, um nachhaltig die Qualität der Internationalisierung der beruflichen Bildung weiterzuentwickeln.
  •  

Beschlossen vom Bundeshauptvorstand am 20.11.2020