BLBS: Zu wenige Betriebe bilden aus!

„Wenn nur etwa 20% aller Betriebe in Deutschland ausbilden, dann braucht es nicht zu wundern, dass hier ein Facharbeitermangel herrscht, der für die Innovationen der deutschen Wirtschaft hinderlich ist“, so Eugen Straubinger, Bundesvorsitzender des Bundesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen (BLBS).

Das ist ein beachtenswertes Ergebnis im heute veröffentlichten „Ländermonitor berufliche Bildung 2017“ des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) und der Abteilung Wirtschaftspädagogik der Universität Göttingen, der von der Bertelsmann Stiftung gefördert wurde. „Sind die daher zu wenigen vorhandenen Lehrstellen eventuell ein Grund dafür, dass mehr Jugendliche eine akademische Ausbildung anstreben und keine Lehre beginnen?“, fragt sich daher der BLBS.

Diese Frage lässt sich mit der Tatsache belegen, dass im Jahr 2016 gut 80.000 weniger Ausbildungsplätze von Betrieben angeboten wurden als noch 2007. Noch stärker – um 155.000 – ging allerdings die Zahl der Bewerber um eine duale Ausbildung zurück. Hingegen hat sich für Jugendliche, die eine Ausbildung suchen, die Lage verbessert, standen 2007 für je 100 Bewerber nur 85 Ausbildungsplätze zur Verfügung, waren es 2016 etwa 94 Plätze.

Die neuesten Zahlen des Bundesinstituts für Berufliche Bildung (BIBB) zeigen, dass 2017 wieder mehr dual ausgebildet wird. „Das begrüßt der BLBS ausdrücklich, die teilweise sehr großen Unterschiede in den Bundesländern müssen aber abgebaut werden.“ So gelten z. B. Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg als Vorbilder, hier finden die Betriebe nicht einmal genügende Bewerber.

Der BLBS fordert daher:

  • mehr als 20% der Betriebe müssen in allen Bundesländern ausbilden, da nur so der Facharbeitermangel behoben werden kann;
  • die Betriebe in den Bundesländern müssen nachziehen, in denen immer noch Jugendliche keine Lehrstelle erhalten, wie z.B. Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz oder Berlin;
  • die Betriebe, die in den weniger attraktiven Berufen ausbilden wollen und keine Bewerber erhalten, müssen die Ausbildung attraktiver gestalten.

„Dann können weiterhin in modernen und innovativen berufsbildenden Schulen die Fachkräfte der Gegenwart und Zukunft in hoher Qualität ausgebildet werden“, so Straubinger weiter.