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08. Dezember 2019

PISA-Studie: Deutschlands Bildungspolitik bleibt Mittelmaß

Die Berufsbildner vom BvLB fordern mehr Investitionen für eine bessere Bildung

Die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie der OECD sind ernüchternd und bescheinigen der deutschen Bildungspolitik mal wieder nur Mittelmaß.  Deutsche Schüler dümpeln bei Pisa konstant im oberen Mittelfeld. Der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e.V. (BvLB) sieht dringenden Handlungsbedarf, um die Ausbildungsfähigkeit gewährleisten zu können, und fordert von der Politik mehr Investitionen für eine bessere Bildung. Wir brauchen eine bundesweite Qualitätsoffensive, damit die Ausbildung eine tragfähige Vorbereitung auf den künftigen Berufsalltag gewährleistet. Denn die Bildungsleistungen sind untrennbar mit Wirtschaftswachstum verflochten“, sagt Eugen Straubinger, einer von zwei BvLB-Bundesvorsitzenden.

Auch wenn Deutschlands Schüler - anders als im PISA-Schock-Jahr 2000 - diesmal in einigen getesteten Disziplinen über dem OECD-Durchschnitt liegen, ist es erschreckend, dass speziell die Lesekompetenz nach zwischenzeitlichen Verbesserungen wieder rückläufig ist und auf dem Niveau von 2009 angekommen ist. Im Ländervergleich belegt die Bundesrepublik hier gerade mal den 20. Platz. Sieger ist China, gefolgt von Singapur, Macau, Hongkong und Estland. Auch bei den Naturwissenschaften gingen die Leistungen zurück und fielen noch unter das Niveau von 2006. Im Ranking aller teilnehmenden Länder liegt Deutschland hier auf Platz 15 - gemeinsam mit Australien und den Niederlanden. Das gleiche Bild zeichnet sich bei Mathematik ab: Seit 2012 gehen die Leistungen wieder bergab.

„Es ist nicht hinnehmbar, dass die Lesekompetenz unserer Schülerinnen und Schüler vielfach nicht ausreicht, um Textinhalte verstehen zu können. Hier sind an erster Stelle die Grundschulen gefordert, die Basis zu legen, auf der dann die allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen aufbauen können“, sagt Joachim Maiß, ebenfalls BvLB-Bundesvorsitzender. Die Gründe für das schlechte Abschneiden sind vielfältig und reichen vom Lehrermangel über alle Schulformen hinweg über die allgemeine Überlastung bei Lehrerinnen und Lehrern bis hin zur mangelhaften Ausstattung speziell rund um die Digitalisierung. 

Maiß und Straubinger haben noch weitere signifikante Gründe ausgemacht, die es der beruflichen Bildung erschweren, die Berufsschüler fit für den Berufsalltag zu machen. „Auch wenn einige konservative Stimmen das glauben machen wollen, die Nutzungsdauer von Handys und PCs im Schulalltag hat keinerlei negative Auswirkung auf die PISA-Ergebnisse. Ganz im Gegenteil. Estland, Europas Vorreiter in der Digitalisierung, hat einen Spitzenplatz belegt, ebenso wie China. Diese Länder haben die digitale Transformation schon vollumfänglich durchlebt“, sagt Straubinger. Und Maiß ergänzt: „Das schlechte Abschneiden Deutschlands liegt da eher schon an der Grundschulempfehlung, die in vielen Ländern abgeschafft wurde. Ein weiteres Problem sind die mangelnden Sprachkenntnisse in Folge der Migration. Hier müssen Sonderpädagogen in die Schulen und entsprechende Lernförderprogramme aufgelegt werden.“

Beide sind sich einig: Gute, leistungsfähige und differenzierte Bildung ist der Grundstock einer funktionierenden Demokratie, Gesellschaft und einer stabilen Wirtschaft, für die die berufsbildenden Schulen in der dualen Ausbildung Bildungspartner ist.

Alle drei Jahre werden in der PISA-Studie die Kompetenzen der 15-jährigen Schüler in mehr als 70 Ländern getestet. In der aktuellen Erhebung lag der Schwerpunkt auf der Lesekompetenz, untergeordnete Erhebungsbereiche waren Naturwissenschaften und Mathematik. 2018 nahmen 600 000 Schüler aus 79 Ländern teil – so viel wie nie zuvor.  In Deutschland waren es etwa 5450 Schüler von 226 Schulen.