23. Februar 2019

BvLB-Vorstand bei der Bundesbildungsministerin

Am 12. Februar 2019 führten die Mitglieder des Bundesvorstands ein Gespräch mit der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, MdB, im BMBF in Berlin.

Die Ministerin, seit dem 14. März 2018 Mitglied der Bundesregierung, zeigte – auch aufgrund ihrer eigenen Berufsbiographie – großes Interesse an den Themen der beruflichen Bildung.

Anja Kaliczeks Erfahrungen in der Beruflichen Bildung

Nach der Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Deutschen Bank AG und anschließender Übernahme in das Angestelltenverhältnis absolvierte sie eine weitere Ausbildung zur Hotelfachfrau mit Ausbildereignung im familieneigenen Hotelbetrieb. Seit dem Sommer 1994 arbeitete sie bis zum Einzug in den Deutschen Bundestag in leitender Funktion im Hotel und bildete dort selbst junge Menschen als Fachkräfte für das Hotel- und Gaststättenwesen aus. Ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fern-Universität in Hagen schloss sie 2008 mit einer Diplomarbeit ab.

Wichtige Gesprächsthemen zur Stärkung der beruflichen Bildung

  • Im Mittelpunkt des Gesprächs standen aktuelle von der Bundesregierung geplante Vorhaben wie der „Digitalpakt Schule“, die Arbeit der „Enquete-Kommission Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“, der „Berufsbildungspakt mit einer Qualitätsoffensive Lehrerbildung“, der Gesetzentwurf zur „Modernisierung der beruflichen Bildung BBiMoG“ sowie Fragen zur Zusammenarbeit zwischen BiBB, KMK und BMBF. Die beiden Bundesvorsitzenden, Joachim Maiß und Eugen Straubinger, begrüßten die vielfältigen Initiativen der Bundesregierung mit der Zielsetzung, die berufliche Bildung zu stärken um dem Fachkräftemangel entgegen zu treten.
  • „Die geplanten Fördermaßnahmen dürfen aber nicht an den Berufsbildenden Schulen vorbei gehen“, so Eugen Straubinger im Hinblick auf den Digitalpakt Schule der Bundesregierung. „Wir stehen an der Schnittstelle zwischen schulischer Ausbildung und Arbeitsmarkt, also in einer gemeinsamen Verantwortung mit den Betrieben in der dualen Ausbildung, da können wir uns keine Technologie von gestern erlauben“, so Eugen Straubinger weiter.
  • Kritisch merkte Joachim Maiß an, dass der Blick der Bundesebene in Fragen der beruflichen Bildung zu sehr auf den Dualpartner Betrieb gerichtet sei. „Wir haben zwar eine klare Rollenzuweisung in der dualen Ausbildung, aber auch eine Verpflichtung zur Lernortkooperation. Deshalb sollte diese gemeinsame Verantwortung für die Ausbildung von Fachkräften sowohl in der Erstausbildung als auch in der Weiterbildung im Gesetzentwurf zur Modernisierung des BBiG stärker zum Ausdruck kommen“. Am Beispiel seiner Schule zeigte er auf, welche Kooperationen – auch mit den Hochschulen – möglich sind und die Durchlässigkeit und damit auch die Attraktivität der dualen Ausbildung stärken könnten. Hierzu müsste jedoch ein neues Rollenverständnis vom Dualpartner Berufsschule auch im BBiMoG zum Ausdruck kommen.

Ministerin: „2019 Jahr der Berufsbildung“

Die Ministerin zeigte sich offen für die von den Bundesvorsitzenden angesprochenen Probleme und erklärte, dass das BMBF das Jahr 2019 zum Jahr der Berufsbildung erklärt habe und man wolle alle Initiativen auf dem Feld der beruflichen Bildung dieser Legislaturperiode zu einem Berufsbildungspakt und in einer nationalen Weiterbildungsstrategie zusammenfassen. Um auch die Lehrenden bei ihrer Weiterbildung zu unterstützen, sehe der Berufsbildungspakt auch eine Qualitätsoffensive Lehrerbildung vor.

Bildungspakt noch nicht umgesetzt

Leider konnte der auch im Koalitionsvertrag beschlossene „Berufsbildungspakt“ noch nicht klar umrissen werden. Das Ziel – so im Koalitionsvertrag vereinbart - sei eine Modernisierung mit digitaler Ausstattungsoffensive für berufliche Schulen, bessere Leistungen durch Aufstiegs-BaföG und eine Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Bildung. Ob dies alleine durch neue Begrifflichkeiten im BBiMoG mit einem „Berufsbachelor“ oder „Berufsmaster“ möglich sei, müsse – so die Vertreter des BvLB – noch abgewartet werden. Grundsätzlich unterstütze der BvLB alle geeigneten Maßnahmen zur Stärkung der beruflichen Bildung, doch diese dürften nicht nur in neuen Begrifflichkeiten zum Ausdruck kommen. Dies könne nur durch eine größere Durchlässigkeit zwischen den beiden Systemen und gegenseitiger Anerkennung von Leistungen geschehen. 

Gespräch mit gegenseitiger Wertschätzung

Zum Ende des Gesprächs forderten die Vertreter des BvLB, zukünftig stärker in den Gremien des BMBF zur Berufsbildung einbezogen zu werden. Nur so könne auch der Dualpartner Berufsschule angemessen vertreten sein und gemeinsame Lösungen finden. Nach über einer Stunde ging ein Gespräch zu Ende, das von gegenseitiger Wertschätzung, aber auch von klaren Forderungen des BvLB zur Rolle der berufsbildenden Schulen geprägt war.

Helmut Landsiedel