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20. November 2020

BvLB - Positionspapier Weiterbildung

Der BvLB fordert:

Berufliche Weiterbildung hat einen ausgesprochen hohen gesellschaftlichen Wert. Berufliche Weiterbildung muss daher umfangreicher und qualitativ hochwertiger abgesichert werden. Die Berufsbildenden Schulen sind von ihrer Ausstattung und dem Qualifikationsniveau der Lehrkräfte für Aufgaben in der Weiterbildung hervorragend geeignet.

 

Begründung

Ein erfolgreiches Erwerbsleben ist ohne Weiterbildung nicht denkbar. Berufliche Weiterbildung schützt vor Arbeitslosigkeit, sichert den sozialen Aufstieg und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Für die Betriebe und Unternehmen sichert die Weiterbildung den unternehmerischen Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit auf dem nationalen und internationalen Markt.

Bereits im „Programme for the Internationale Assessment of Adult Competencies“ PIAAC wurden grundlegende Kompetenzen untersucht, die zur erfolgreichen Teilnahme an der Gesellschaft und am Berufsleben notwendig sind. PIAAC hat ein umfassendes Bild des Humankapitals im internationalen Vergleich geliefert. Weitere Untersuchungen zum Stand der Weiterbildung in Deutschland, beispielsweise durch das BMBF in der Studie „Weiterbildungsverhalten in Deutschland“ belegen, dass sich gerade berufliche geringer qualifizierte Fachkräfte umfangreicher weiterbilden müssten.

Für diese Gruppe ist der Zugang zum Hochschulbereich nicht möglich. Die systematische Förderung der Kompetenzen durch freie Bildungsträger und Volkshochschule hat in der Vergangenheit nicht ausreichend funktioniert. Dies bestätigen die Ergebnisse der PIAAC-Studie.

Ein vielversprechender Ansatz ist der systematische Aufbau von lebensbegleitenden Weiterbildungsangeboten durch die Berufsbildenden Schulen.

Erwachsene in Deutschland erzielen bei der Lesekompetenz im Mittel 270 Punkte und liegen damit nur knapp unter dem OECD-Durchschnitt von 273 Punkten. Die Mittelwerte der verschiedenen Teilnehmerländer in der Lesekompetenz variieren zwischen 250 Punkten (Italien) und 296 Punkten (Japan). Anders das Bild bei der alltagsmathematischen Kompetenz. Hier erzielen Erwachsene in Deutschland im Mittel 272 Punkte und liegen damit knapp über dem OECD-Durchschnitt von 269 Punkten. Die Mittelwerte der verschiedenen Teilnehmerländer in der alltagsmathematischen Kompetenz variieren zwischen 264 Punkten (Spanien) und 288 Punkten (Japan).

Für den Bereich technologiebasiertes Problemlösen wurden aus methodischen Gründen keine Mittelwerte ermittelt. Für den internationalen Vergleich eignet sich vor diesem Hintergrund der Anteil der Personen an der Bevölkerung, die die beiden oberen Kompetenzstufen (2 und 3) erreichen. Hier zeigt sich, dass Deutschland mit 36 Prozent über dem OECD-Durchschnitt von 34 Prozent liegt. Im internationalen Vergleich führen die nordischen Staaten und die Niederlande (Schweden 44 Prozent, Finnland 41 Prozent). Auffällig ist, dass Deutschland somit nicht nur über dem OECD-Durchschnitt (34 Prozent) liegt, sondern auch vor Japan (35 Prozent), den USA (32 Prozent) und Estland (28 Prozent) - Staaten, die in den Medien regelmäßig mit dem häufigen Einsatz von Hochtechnologien und Computern in Verbindung gebracht werden.

Ihre große Bedeutung und ihr analytisches Potenzial zeigen internationale Vergleichsstudien jedoch nicht primär bei dem Vergleich der Mittelwerte. Viele wichtige Informationen erlangt man erst bei genauerem Hinsehen. So zeigt PIAAC, dass Problemlagen des deutschen Bildungssystems, die seit PISA in das Zentrum der öffentlichen Diskussion gerückt sind, keine neuen Phänomene sind, sondern eine sehr lange „Tradition“ haben. Seit der Veröffentlichung der ersten PISA-Ergebnisse werden die Probleme jedoch angegangen. PIAAC zeigt, dass Deutschland in der Vergangenheit dabei erfolgreich ist, obwohl die Einzelrückmeldungen dies nicht immer sichtbar zeigen. Egal ob Lesekompetenz, mathematische Kompetenz oder der Umgang mit Computern: Jüngere erreichen höhere Werte als Ältere. Während zum Beispiel etwa 30 Prozent der 55- bis 65-Jährigen höhere Lesekompetenzen (ab Stufe III) aufweisen, sind dies bei den 16- bis 34-Jährigen bereits circa 60 Prozent.

PIAAC zeigt auch: Die berufliche Bildung hält Deutschland international wettbewerbsfähig. Staaten mit einer stärker allgemeinbildenden schulischen Orientierung und höheren Anteilen an Hochschulabsolventen haben keine wesentlichen Kompetenzvorteile oder schneiden zum Teil schlechter ab als Deutschland. Zusätzlich vermittelt das deutsche duale System berufspraktische Fähigkeiten.

PIAAC belegt auch die zentrale Bedeutung von Grundkompetenzen für den individuellen Arbeitsmarkterfolg, für Arbeiten und Lernen an sich verändernden Arbeitsplätzen. Höhere Grundkompetenzen führen zu mehr Teilhabe am Arbeitsmarkt und höheren Einkommen. Dies lässt sich sogar in Euro und Cent ausdrücken: Bei einem Anstieg um eine Kompetenzstufe (50 Punkte) in der Lesekompetenz steigt das Einkommen pro Monat um circa 10 Prozent. Dies entspricht bei einem durchschnittlichen Einkommen über 200 Euro pro Monat. Und dies ist kein Effekt, der allein auf höheren Bildungsabschlüssen beruht: So zeigen vertiefende Analysen für Deutschland, dass eine höhere alltagsmathematische und Lesekompetenz auch innerhalb von Berufsgruppen einkommenswirksam ist.

Bei der OECD liegt PIAAC in der gemeinsamen Zuständigkeit des Directorate for Education und des Directorate for Employment, Labour and Social Affairs. In Deutschland ist für die Durchführung von PIAAC federführend das BMBF unter Beteiligung des BMAS verantwortlich. (aus:

https://www.bmbf.de/de/piaac-programme-for-the-international-assessment-of-adult-competencies-1235.html )

 

Der BvLB fordert daher:

  • Wir unterstützen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im digitalen Wandel: Entwicklung nationaler Weiterbildungsstrategie mit Sozialpartnern, als die Antworten auf digitalen Wandel der Arbeitswelt.
  • Wir ermöglichen lebensbegleitendes Lernen und fördern beruflichen Aufstieg: Stärkere Ausrichtung Allianz für Aus- und Weiterbildung auf digitale Fort- und Weiterbildung. Recht auf Weiterbildungsberatung bei der Bundesagentur für Arbeit. Initiativrecht für Betriebsräte für Weiterbildung wird gestärkt.
  • Wir lassen ältere Menschen bei der Digitalisierung nicht allein. Der Zugang zu digitalen Medien, die Nutzung der Potenziale der Digitalisierung und lebensbegleitendes Lernen sind für ältere Menschen eine wichtige Voraussetzung dafür, möglichst lange aktiv zu bleiben. Deshalb ist eine Weiterbildung auch im Rahmen der Digitalisierung für die Älteren unverzichtbar.
  • Den Transformationsprozess in der Arbeitswelt wollen wir zum Nutzen aller gestalten. Insbesondere die berufliche Aus- und Weiterbildung muss mit der wachsenden Dynamik veränderter Qualifikationsanforderungen Schritt halten und langfristig den Qualifizierungsbedarf der Wirtschaft und des öffentlichen Bereichs decken.
  • Die Durchlässigkeit und Synergien zwischen beruflicher und akademischer Bildung in beide Richtungen wollen wir fördern, um die Ausbildung zu verbessern und Ausbildungszeiten effizienter zu nutzen. Hierzu wollen wir die Anzahl der Aufstiegs- und Weiterbildungsstipendien steigern. Wir wollen die Allianz für Aus- und Weiterbildung fortsetzen und mit dem Ziel weiterentwickeln, allen jungen Menschen einen qualitativ hochwertigen Ausbildungsplatz garantiert anzubieten.
  • Wir wollen umfassende Maßnahmen zur digitalen Fort- und Weiterbildung von Lehrern und Lehrkräften an Berufsbildenden Schulen, auch in Zusammenarbeit mit den Hochschulen, ergreifen.
  • Digitale Arbeit 4.0: Die Bundesregierung sieht sich in der Verantwortung, die Digitalisierung weiterhin aktiv und unter Einbeziehung der Sozialpartner zu gestalten. Weiterbildung ist der Schlüssel, damit die Beschäftigten sich den Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt stellen und den sich immer schneller verändernden Qualifikationsanforderungen gerecht werden können.

 

Der BvLB fordert die Entwicklung und Einrichtung von Bildungsangeboten zur Weiterbildung für beruflich qualifizierte Fachkräfte an den Berufsbildenden Schulen. Die Berufsbildenden Schulen verfügen über die notwendige Erfahrung und Expertise bei der Vermittlung von beruflichen Kompetenzen und müssen daher den Bildungsauftrag erhalten, Weiterbildungsmaßnahmen zu konzipieren und anzubieten.

 

Beschlossen vom Bundeshauptvorstand am 20.11.2020