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06. Mai 2020

Duale Berufsausbildung auch nach der Krise alternativlos

BvLB fordert Prämien für Ausbildungssicherung und bietet ergänzende Bildungskonzepte

Der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e.V. (BvLB) sieht für die duale Ausbildung nach wie vor eine gute Zukunft – und das unabhängig von der Corona-Krise. Die Berufsbildner fordern daher die Sicherung der bestehenden Ausbildungsplätze sowie eine verbindliche Übernahme-Perspektive für die Auszubildenden, die gerade mitten in ihren Abschlussprüfungen stehen. „Nur so kann der drohende Fachkräftemangel in bestimmten Branchen nach der Krise verhindert werden. Als Investition in die Zukunft brauchen wir daher Prämien für Unternehmen, die bisher als verlässliche Partner Verantwortung übernommen haben, damit zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden und keine wegbrechen“, fordert Joachim Maiß, BvLB-Vorsitzender. Eugen Straubinger, ebenfalls BvLB-Vorsitzender, ergänzt: „Insofern begrüßen wir die versprochenen Hilfen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zur Ausbildungssicherung und bringen uns gerne mit unserer Sachkompetenz bei den anstehenden Beratungen ein.“

Die duale Berufsausbildung ist ein Erfolgsmodell, um das Deutschland international beneidet wird, liegt doch die Jugendarbeitslosigkeit bei uns weit unter dem OECD-Durchschnitt. Immerhin nehmen bisher mehr als die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland ihren Weg in die berufliche Existenz über eine anerkannte berufliche Bildung. „Die duale Berufsausbildung ist auch nach der Krise alternativlos, sie ist geradezu eine Bestandsgarantie für den Erfolg der deutschen Volkswirtschaft. Die beruflichen Schulen ihrerseits haben als Ausbildungspartner der Betriebe krisenerprobte Konzepte und kreative Ideen, um einen zeitverzögerten Einstieg in die Ausbildung zu flankieren oder mit ergänzenden Bildungsangeboten Zeiten zu überbrücken“, sagt Maiß.

Das Angebots-Portfolio, mit dem die Berufsbildner bundesweit Qualitätsausbildung gewährleisten, ist vielfältig und lässt sich bei Bedarf erweitern und praxistauglich so schnell ausrollen, dass es schon zum offiziellen Ausbildungsstart am 1. August greift. Das fängt bei der einjährigen Berufsfachschule an, bei der im Vollzeitunterricht berufsbezogene Grundbildung zur Vorbereitung der Berufsausbildung vermittelt und auf die Ausbildungszeit angerechnet wird. „Um Unternehmen oder ganze Branchen, die schwer von der Krise betroffen sind, zu entlasten, ließe sich dieses Modell auch auf zwei Jahre ausdehnen, wenn denn der betriebliche Ausbildungspartner vertraglich zusichert, Schülerin oder Schüler im dritten Ausbildungsjahr betrieblich zu übernehmen“, sagt Straubinger.

Für kurzfristige Überbrückungszeiten können die beruflichen Schulen problemlos für das erste Halbjahr rein schulischen Unterricht anbieten und damit den zeitverzögerten Einstieg in die betriebliche Ausbildung zu ermöglichen. „Das verschafft den Unternehmen Luft, um geschlossene Ausbildungsverträge jetzt nicht kurzfristig annullieren zu müssen“, sagt Maiß. Am anderen Ende der Skala der beruflichen Bildung stehen die Abschlussklassen, die jetzt ihre Prüfungen ablegen und im Nachgang in ihrem gelernten Beruf arbeiten möchten. Übernahmegarantien, die Anfang März noch im Raum standen, könnten schnell Makulatur werden, wenn Betriebe in wirtschaftliche Schieflage geraten.

„Wir fühlen uns auch für diese jungen Menschen verantwortlich, die eine Perspektive brauchen. Hier bieten die Fach- und Technikerschulen, die Teil der beruflichen Schulen sind, spezielle Angebote. So kann man beispielsweise das zwingend erforderliche Praxisjahr als Eingangsvoraussetzung in der Krise flexibel aufweichen und durch begleitende Praktika ersetzen. Die Kapazitäten dafür haben wir ebenso wie Ideen, gut durch die Krise zu kommen“, sagten Maiß und Straubinger unisono.

 

Joachim Maiß und Eugen Straubinger