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1. November 2021

Zukünftige Gestaltung der Ausbildung von Lehrkräften/Lehrerinnen und Lehrern im Berufsfeld Gesundheit/Pflege

Der BvLB fordert:

Eine ausreichende Etablierung bzw. Anpassung grundständiger Studiengänge entsprechend den KMK-Standards sollte zeitnah gesichert werden.

Gleichzeitig müssen begleitend passgenaue Angebote einer Nachqualifizierung für Lehrkräfte, die bereits in der beruflichen Ausbildung der Gesundheitsfachberufe tätig sind und bisher nicht über die geforderten Abschlüsse verfügen, geschaffen werden.

Flankierend sollten die beruflichen Ausbildungen im Berufsfeld Gesundheit und Pflege auf Se- kundarstufe II nach jeweiligem Schulrecht der Länder verortet, d.h. in der Regel in das „berufs- fachschulische System“ integriert werden.

Begründung:

Traditionell unterlag die berufliche Bildung in den Gesundheitsfachberufen einem Sonderweg. Die Abschlüsse der im System befindlichen Lehrkräfte sind häufig nicht vergleichbar mit den Standards der Lehrerbildung im Übrigen beruflichen Bildungssystem.

Die, lange überfälligen Regelungen zu Mindeststandards einer Lehrerqualifizierung als Zulas- sungsvoraussetzung für die Genehmigung von Schulen im Berufsfeld Gesundheit und Pflege, wurden in den bereits vollzogenen, derzeit stattfindenden und noch geplanten Novellierungen der bundesrechtlich geregelten Ausbildungsgesetze zu den Gesundheits- und Pflegeberufen festge- legt. Diese Regelungen sind Voraussetzung für die Sicherung von Qualitäts- und Professions- standards und schaffen gleichwertige Rahmenbedingungen einer beruflichen Bildungsstruktur. Zurzeit herrscht immer noch ein rechtlich und administrativ heterogenes Bild grundständiger Studiengänge oder vereinzelter Formate zur Nachqualifizierung.

Der derzeitige Ist-Zustand stellt sich wie folgt dar: Es wurden 60 Studienstandorte an 12 Universi- täten und 22 Fach-/ Hochschulen identifiziert. Diese befinden sich vielfach in privater bzw. kon- fessioneller Trägerschaft. Die Mehrzahl sind Bachelorabschlüsse ohne aufbauendes Masterpro- gramm. Zum größten Teil folgen sie nicht der gängigen Struktur der Lehrerbildung. Die Bezeich- nungen weichen oft von der üblichen Nomenklatur ab. Die zu etablierenden bzw. existierenden Angebote müssen sich an den Qualifikationsstrukturen der Lehrerbildung für berufsbildende Schulen orientieren und sollten diesen gleichgestellt sein. Die Quantität und Qualität der Angebo- te müssen sich zukünftig an den bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Forderungen orientieren.

Der BvLB fordert deshalb:

  1. Die Etablierung ausreichender Studiengänge für die grundständige Ausbildung an Universitä- ten und Hochschulen entsprechend den geltenden KMK-Standards an bundesweiten Stu- dienstandorten, um dem Bedarf gerecht zu werden. Damit können gleichzeitig Sondermodelle abgebaut werden.
  2. Die Schaffung berufsbegleitender, passgenauer Formate zur Nachqualifizierung von Lehrkräf- ten, die bereits in der beruflichen Ausbildung tätig sind und nicht über entsprechende Ab- schlüsse verfügen. Die Nachqualifizierungsformate sollen kostenfrei oder zumindest finan- zierbar oder durch Fördersysteme unterstützbar sein.
  3. Es sind Studiengänge zu entwickeln, die unter Beachtung der Heterogenität der potenziell Studierenden (z.B. berufliche Vita) über Anrechnungen anschlussfähig sind. Sie sollen zu ei- nem wissenschaftlich-reflektierten Lehrerhandeln befähigen. Die Integration berufsspezifi- scher Erfahrungen ist dabei eine hochschuldidaktische Gestaltungsaufgabe.

Regionale Studienzentren (z.B. als Außenstellen der Universitäten) für Seminare, Präsenzphasen, Online-Angebote und Selbststudienanteile in einer ausgewogenen und flexiblen Struktur können hierbei eine Möglichkeit sein. Entsprechend sollen Beratung, Begleitung und Betreuung der Stu- dierenden angepasst werden. Neben dem Ausbau des digitalen Lernens (interaktive Lernplatt- formen, Online-Lernmedien u. a. müssen auch Formen des Blended Learnings angeboten werden.

Die Bundesländer werden aufgefordert, einerseits zeitnah rechtliche Rahmenbedingungen zur Umsetzung zu gestalten und anderseits finanzielle Ressourcen und Unterstützungssysteme be- reitzustellen.

Berlin im November 2021

Literaturangaben

Arens, Frank/Brinker-Meyendriesch, Elfriede (2020): Berufs- und Wirtschaftspädagogik Schwerpunkt Gesundheit. Die berufs- und wirtschaftspädagogischen und fachwissenschaftlichen Bezüge im Spektrum Lehrerbildung Pflege und Gesundheit; In: bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online, Ausgabe 37, 1-23. http://www.bwpat.de/ausgabe37/arens_brinker-meyendriesch_bwpat37.pdf

Darmann-Finck, Ingrid (2020): Ziel noch nicht erreicht, In: Die Schwester/Der Pfleger, 59 (8), S. 66 – 69.

Stellungnahme der Sektion Berufs- und Wirtschaftspädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissen- schaft (DGfE) (2021): Lehrkräftebedarf in den personenbezogenen Fachrichtungen – Professionalisierung und Quali- tätssicherung in der beruflichen Lehrerinnen- und Lehrerbildung. https://www.dgfe.de/fileadmin/OrdnerRedakteure/Sektionen/Sek07_BerWiP/2021_Stellungnahme_AG_Lehre r_inn_enbildung_Personenbezogene_Dienstleistungsberufe.pdf

Weyland, Ulrike; Reiber, Karin: Lehrer/-innen-Bildung für die berufliche Fachrichtung Pflege in hochschuldidakti- scher Perspektive; In: Faßhauer, Uwe/ Fürstenau, Bärbel/ Wuttke, Eveline Hrsg.: Jahrbuch der berufs- und wirtschaftspädagogischen Forschung; Opladen, Budrich, S. 189-202.

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