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1. November 2021

Digitalisierung in der Zeit nach Corona
Post-Covid-Strategien für die Bildung im digitalen Zeitalter

Diskussionsbeitrag des BvLB zur aktuellen Entwicklung

Für die Schulen war und ist die Corona-Pandemie wie ein Stress-Test, der die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte sichtbar gemacht und zukünftige Handlungsfelder aufgezeigt hat. Dies betrifft insbesondere das Thema Digitalisierung. Hier wurde der Nachholbedarf wie z.B. fehlende Endgeräte für Lehrkräfte, funktionierende und datenschutzkonforme Bildungsplattformen oder eine flächendeckende Breitband- anbindung der Schulen schmerzhaft spürbar.
Gleichzeitig hat die Pandemie zu einem Digitalisierungsschub an den Schulen geführt. „Die Herausfor- derung, schulisches Lernen in Zeiten der Corona-Pandemie zu re-organisieren, hat einen neuen Blick auf die Potenziale und Notwendigkeiten des Lernens mit digitalen Medien eröffnet.“1 Die jetzigen Digi- talisierungsfortschritte dürfen jedoch nicht als Einmal-Effekte verpuffen, sondern müssen kontinuierlich fortgeschrieben werden.
Dank der Flexibilität der Lehrkräfte und ihrem kräftezehrenden Einsatz fand der Unterricht an den berufs- bildenden Schulen in der Pandemiezeit verlässlich statt. Was die Lehrkräfte hier unter schwierigen Rah- menbedingungen quasi über Nacht auf die Beine gestellt haben, verdient besondere Anerkennung. Nun gilt es, die entstandenen kreativen Ansätze und die gemachten Erfahrungen aufzugreifen und weiterzu- entwickeln.
Unter dem Deckmantel der Digitalisierung darf es jedoch nicht zu Stelleneinsparungen oder dem Wegfall von Klassen kommen. Vielmehr erfordert die digitale Transformation zusätzliche finanzielle und perso- nelle Ressourcen für die berufsbildenden Schulen.

1 Eickelmann, B./ Gerick, J.: Lernen mit digitalen Medien, in: DDS – Die Deutsche Schule, Beiheft 16 (2020), S. 153.

Zum Ende des Schuljahres 2020/2021 zeichnet sich eine Entspannung des Infektionsgeschehens ab und der Präsenzunterricht wird unter Pandemiebedingungen wieder aufgenommen. Dennoch wird es keine Rückkehr zur „alten Normalität“ vor dem März 2020 geben. Die digitale Transformation im Schulbereich, die schon vor der Pandemie im Fokus stand, hat noch mehr an Fahrt aufgenommen. Die entscheidende Rolle bei diesem Transformationsprozess spielen die Lehrerinnen und Lehrer: „Die Lehrkräfte sind nicht das Problem, sondern die Lehrkräfte sind die einzige Chance.“2
Die Forderungen sind:

• „Alles Gute kommt von unten“/ Bottom-Up-Entwicklung und Top-down-Unterstützung: Die Lehr- kräfte und deren Interessensvertretungen müssen von Bildungspolitik und -administration aktiv in den digitalen Transformationsprozess einbezogen werden. Der BvLB und seine Landesverbände ste- hen mit ihrer fachlichen Expertise als Gesprächspartner jederzeit bereit, um die Digitalisierung der Schulen dauerhaft voranzubringen und nachhaltig aufzustellen.
• Ausstattung: „Wegen ihrer Nähe zum Beschäftigungssystem und als Partner in der dualen Berufs- ausbildung sind die beruflichen Schulen vom technologischen und wirtschaftlichen Wandel durch die Digitalisierung besonders und in unmittelbarer Art und Weise berührt.“3 Berufsbildende Schulen und deren Lehrkräfte benötigen deshalb eine leistungsfähige, flächendeckende und länderübergrei- fende technische Infrastruktur sowie die bedarfsgerechte Ausstattung mit Endgeräten (inklusive Support). Neben der Anschaffung müssen auch die Anschlussfinanzierung und ein regelmäßiger Austausch der Endgeräte gesichert sein. Dafür sind verlässliche und transparente Budgets einzu- planen.
• „Primat der Didaktik“: Das Anschaffen von digitaler Technik alleine reicht nicht. Vielmehr muss Technik für Pädagogik entwickelt werden. Es müssen zudem didaktische Konzepte (weiter-)entwi- ckelt werden und der Kompetenzerwerb für die Berufs- und Lebenswelt in den Fokus gestellt wer- den. Um dies zu erreichen, müssen von der Bildungspolitik finanzielle und personelle Ressourcen

2 Eickelmann, B.: Digitalisierungsschub in Schulen durch Corona? – Ausgangslage und Perspektiven für nachhal- tig wirksame Veränderungen. Vortrag beim Fachgespräch „Lernen mit digitalen Medien“, Ministerium für Bil- dung, Jugend und Sport Brandenburg, Potsdam. (2020, 06. Juni).

3 KMK: Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“ in der Fassung vom 07.12.2017, S. 20.

bereitgestellt und die in Deutschland im internationalen Vergleich hohe Unterrichtsverpflichtung der Lehrkräfte reduziert werden.
• Bildung für die Arbeitswelt von heute und morgen: Organisationsformen des Unterrichts, Unter- richtsinhalte und Kompetenzen müssen an die Erfordernisse der Arbeitswelt von heute und morgen angepasst werden. Dazu gehören auch hybride Modelle aus Präsenz- und Fernunterricht. Berufsbil- dende Schulen sollten die Möglichkeit erhalten, sich zu „blended schools“ weiterzuentwickeln, um damit auch ihre Agilität und Widerstandskraft auszubauen. Hierfür ist das Verhältnis zwischen Prä- senz- sowie digitalen Lehr- und Lernformen einvernehmlich mit den Beteiligten zu justieren.
• Bildungsgerechter Unterricht: Der digitale Wandel bietet neue Chancen für individuelle Förderung und individualisierten Unterricht. Um diese Chancen zu nutzen, benötigen die Lehrkräfte der berufs- bildenden Schulen entsprechende zeitliche Ressourcen für Innovation und Schulentwicklung.
• Auf- und Ausbau digitaler Kompetenzen in allen drei Phasen der Lehrer:innenbildung: Die univer- sitäre, seminaristische und schulische Ausbildung von Lehrkräften muss noch enger verzahnt wer- den. Kompetenzen, Inhalte und Methoden für die „Bildung in der digitalen Welt“ müssen integraler Bestandteil der Lehrer:innenbildung sein.
• Digitale Chancengerechtigkeit: Der pandemiebedingte Fernunterricht hat gezeigt, dass das eigene Smartphone der Schülerinnen für digitalen Unterricht nicht ausreicht. Sie benötigen hierzu ein Tab- let oder einen Computer. Nicht alle Schülerinnen haben jedoch Zugriff auf solche digitalen Endge- räte und zuverlässiges Internet. Zudem muss die Anschlussfähigkeit der Endgeräte der Schüler*in- nen (BYOD) zur schulischen Infrastruktur gewährleistet sein.
• Spannungsfeld zwischen zentraler Steuerung und schulischer Autonomie: Die Pandemie hat ge- zeigt, dass zentrale Abstimmungen und Vorgaben wichtig sind. Es wurde gleichzeitig deutlich, dass diese auch Probleme aufwerfen. Die Rahmenbedingungen der einzelnen Schularten sowie der be- rufsbildenden Schulen vor Ort fallen äußerst unterschiedlich aus. Deshalb benötigen die berufsbil- denden Schulen vor Ort Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume. Hierfür brauchen sie mehr ad- ministrative Unterstützung und weniger bürokratische Belastung.
• Bürokratieabbau: Damit die vorhandenen Mittel des Digitalpaktes Schule schnell in den berufsbil- denden Schulen ankommen, müssen bürokratische und fiskalische Hürden schnell abgebaut wer- den.

• Bundesweite Lösungen: Bisher gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen technischen Systemen und Lernplattformen in den verschiedenen Bundesländern. Der BvLB fordert die bundesweite Be- reitstellung einer DSGVO-konformen dienstlichen Cloud und einer einheitlichen Lernplattform.
• Rechtliche Rahmenbedingungen: Die Lehrkräfte an den berufsbildenden Schulen benötigen rechts- sichere und DSGVO-konforme digitale Lösungen. Gleiches gilt für die Tools zur Durchführung von Online-Konferenzen, die Notenbildung im digitalen Unterricht und digitale Prüfungsformate.

Berlin im November 2021

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